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ÖSTERREICHISCHE ORIENTTEPPICHFIBEL

Impressum
2. Auflage, Mai 2002
Bundesgremium des Handels mit Möbel,
Waren der Raumausstattung und
Tapeten (Einrichtungsfachhandel)
© Johannes Reinthaler

INHALTSVERZEICHNIS
 
Grundsätzliches
Geschichtlicher Abriss
Die Bezeichnungen
Erkennungsmerkmale
Die Herstellung
Materialien
Farben und Färben
Alter und Datierung
Worauf man achten sollte
Die Teppichpflege
Bewertungskriterien
Preisfestlegung
Wertfindung für alte und antike Teppiche
Händlerzertifikat
Gutachten
Informationsliste über Richtwerte
Standesregeln
 

Die Bezeichnungen

Mit Teppichbezeichnungen wie Isfahan, Keschan, Täbris, Nain, Buchara, Kasak, Luri oder Bachtiar wissen die meisten Menschen nichts anzufangen.

Orte: Eine gute Kenntnis der geografischen Gegebenheiten eines Landes lassen Teppichnamen allerdings nicht mehr so kompliziert erscheinen. Die meisten Teppiche werden nach ihrem Herkunftsort benannt. So kommt ein Bergama auch aus der näheren Umgebung der westtürkischen Stadt Bergama. Ein Teppich mit der Bezeichnung Teheran kommt demnach auch aus Teheran, und ein Isfahan aus der gleichnamigen Stadt.

Stämme: Nomadenteppiche werden meistens nach den Stämmen benannt. So ist ein Jomud ein Erzeugnis der turkmenischen Jomuden. Ein Bachtiar ist ein Produkt der nomadisierenden südbzw. mittelpersischen Bachtiaren. Yürüken und Kurden sind demzufolge Erzeugnisse der gleichnamigen großen Nomadenstämme Anatoliens.

Märkte: Seltener werden heute Teppiche nach ihren Sammelplätzen benannt. Beispielsweise werden manche südpersischen Erzeugnisse in Schiras gehandelt und kommen unter dem Namen Schiras auf den Markt, sie wurden und werden jedoch nicht in der Stadt Schiras, sondern in deren Umgebung von verschiedenen nomadischen Volksgruppen erzeugt.

Eine vierte mögliche Bezeichnung ist die nach der Funktion: Der bei der turkmenischen Jurte (Rundzelt mit Kuppel) verwendete Zelteingangsteppich wird Ennsi oder Engsi genannt, in Persien heißt er wegen seines Kreuzmusters auch Hatschlu; Yatak hingegen ist eine türkische Teppichgruppe zur Bezeichnung von sogenannten Schlafteppichen, wie Yastik der Fachausdruck für das dazugehörige Kissen ist. Yolluk ist der anatolische Läufer (von Yol = der Weg).
Als Asmalik werden fünfeckige Kamelschmuckteppiche aus Zentralasien, Region Buchara, bezeichnet. Große, quergeknüpfte Vorratstaschen heißen dort Tschowal. Torba heißt bei den Turkmenen Tasche, Tus-Torba ist die Salztasche.

Muster: Als Gebetsteppiche werden geknüpfte oder gewebte Stücke bezeichnet, deren Innenfeldmotiv von einer oder mehreren Gebetsnische(n) gekennzeichnet sind. Dies ist ein unsymmetrisches, einseitiges Motiv, ähnlich einem Torbogen, den architektonischen Schnitt einer Moschee oder die Gebetsnische in der Moschee darstellend.

Pandsch Mishrab (5 Nischen) ist z.B. eine aus Afghanistan stammende kleinformatige Teppichgruppe mit gleichnamigem Musteraufbau. Vasenteppiche finden ihren Ursprung in der Anfangszeit der safawidischen Hofmanufakturen: Um 1520 entstehen nicht nur sogenannte 1-2-3-dimensionale Vasenteppiche, sondern ebenfalls erste Medaillon-, Garten- oder Jagdteppiche. Man denke an den weltberühmten „Wiener Jagdteppich“ dieser Safawidenperiode, heute im Museum für Angewandte Kunst Wien, eine Motivwelt, die gerne bei Ghom, Isfahan, Nain etc. Verwendung findet. Eine Bezeichnung wie etwa Gebetsteppich gibt folglich noch keinerlei Aufschluss über Herkunft oder Wert eines Stückes. Deshalb sind Musterbezeichnungen öfter mit Herkunftsbezeichnungen kombiniert wie etwa Stern-, Medaillon- oder Vogel-Uschak, Baum-Kasak, Wolkenband-Karabagh etc.

 
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