Die Bezeichnungen
Mit Teppichbezeichnungen wie Isfahan, Keschan, Täbris,
Nain, Buchara, Kasak, Luri oder Bachtiar wissen die
meisten Menschen nichts anzufangen.
Orte: Eine gute Kenntnis der geografischen
Gegebenheiten eines Landes lassen Teppichnamen allerdings
nicht mehr so kompliziert erscheinen. Die meisten
Teppiche werden nach ihrem Herkunftsort benannt. So
kommt ein Bergama auch aus der näheren Umgebung
der westtürkischen Stadt Bergama. Ein Teppich
mit der Bezeichnung Teheran kommt demnach auch aus
Teheran, und ein Isfahan aus der gleichnamigen Stadt.
Stämme: Nomadenteppiche werden
meistens nach den Stämmen benannt. So ist ein
Jomud ein Erzeugnis der turkmenischen Jomuden. Ein
Bachtiar ist ein Produkt der nomadisierenden südbzw.
mittelpersischen Bachtiaren. Yürüken und
Kurden sind demzufolge Erzeugnisse der gleichnamigen
großen Nomadenstämme Anatoliens.
Märkte: Seltener werden heute
Teppiche nach ihren Sammelplätzen benannt. Beispielsweise
werden manche südpersischen Erzeugnisse in Schiras
gehandelt und kommen unter dem Namen Schiras auf den
Markt, sie wurden und werden jedoch nicht in der Stadt
Schiras, sondern in deren Umgebung von verschiedenen
nomadischen Volksgruppen erzeugt.
Eine vierte mögliche Bezeichnung ist die nach
der Funktion: Der bei der turkmenischen
Jurte (Rundzelt mit Kuppel) verwendete Zelteingangsteppich
wird Ennsi oder Engsi genannt, in Persien heißt
er wegen seines Kreuzmusters auch Hatschlu; Yatak
hingegen ist eine türkische Teppichgruppe zur
Bezeichnung von sogenannten Schlafteppichen, wie Yastik
der Fachausdruck für das dazugehörige Kissen
ist. Yolluk ist der anatolische Läufer (von Yol
= der Weg).
Als Asmalik werden fünfeckige Kamelschmuckteppiche
aus Zentralasien, Region Buchara, bezeichnet. Große,
quergeknüpfte Vorratstaschen heißen dort
Tschowal. Torba heißt bei den Turkmenen Tasche,
Tus-Torba ist die Salztasche.
Muster: Als Gebetsteppiche werden
geknüpfte oder gewebte Stücke bezeichnet,
deren Innenfeldmotiv von einer oder mehreren Gebetsnische(n)
gekennzeichnet sind. Dies ist ein unsymmetrisches,
einseitiges Motiv, ähnlich einem Torbogen, den
architektonischen Schnitt einer Moschee oder die Gebetsnische
in der Moschee darstellend.
Pandsch Mishrab (5 Nischen) ist z.B. eine aus Afghanistan
stammende kleinformatige Teppichgruppe mit gleichnamigem
Musteraufbau. Vasenteppiche finden ihren Ursprung
in der Anfangszeit der safawidischen Hofmanufakturen:
Um 1520 entstehen nicht nur sogenannte 1-2-3-dimensionale
Vasenteppiche, sondern ebenfalls erste Medaillon-,
Garten- oder Jagdteppiche. Man denke an den weltberühmten
„Wiener Jagdteppich“ dieser Safawidenperiode,
heute im Museum für Angewandte Kunst Wien, eine
Motivwelt, die gerne bei Ghom, Isfahan, Nain etc.
Verwendung findet. Eine Bezeichnung wie etwa Gebetsteppich
gibt folglich noch keinerlei Aufschluss über
Herkunft oder Wert eines Stückes. Deshalb sind
Musterbezeichnungen öfter mit Herkunftsbezeichnungen
kombiniert wie etwa Stern-, Medaillon- oder Vogel-Uschak,
Baum-Kasak, Wolkenband-Karabagh etc.
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