Die Herstellung
Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Knüpfstühlen:
dem liegenden oder horizontalen oder dem stehenden,
vertikalen Knüpfstuhl. Der horizontale Knüpfstuhl
wird von den Nomaden verwendet. Er sollte eigentlich
gar nicht Knüpfstuhl heißen, da von dem,
was wir uns unter Knüpfstuhl vorstellen, bei
näherer Betrachtung nicht viel übrig bleibt:
vier Pflöcke im Boden mit zwei Querbalken, wo
die Kettfäden gespannt werden. Beim Nomaden muß
eben alles leicht transportabel bleiben. Wenn es nach
ein paar Wochen heißt, man müsse weiterziehen,
dann werden diese Pflöcke aus dem Boden gezogen,
alles zusammengefaltet und einige Tage später
wieder installiert.
Dementsprechend verzichtet der Nomade von vornherein
auf jeglichen Perfektionismus. Ganz im Gegensatz dazu
ermöglicht der stehende Knüpfstuhl nicht
nur andere Arbeitsweisen, sondern andere, auch riesige
Formate. Auf Balken oder Metallwalzen (Walzenwebstuhl)
werden in den Manufakturen meist Kettfäden aus
Baumwolle gespannt, ein oder mehrere Knüpfer
sitzen vor dem entstehenden Teppich.
Wenn sie sich langsam nach „oben“ arbeiten,
können die Walzen mit den Kettfäden so weitergedreht
werden, dass der bereits fertige Tep- Der „Knüpfstuhl“
der Nomaden oder Halbnomaden ist immer denkbar einfach.
pichteil nach unten bzw. hinten weitergleitet und
die Arbeitshöhe der vor dem Knüpfstuhl sitzenden
Frauen beibehalten werden kann.
Je dichter der Teppich werden soll, desto enger
liegen die Kettfäden beieinander. Die Breite
der Querbalken bestimmt die mögliche Breite des
Teppichs, der Abstand der Querbalken zueinander legt
die größtmögliche Länge des Teppichs
fest. Der Knüpfvorgang beginnt am unteren Ende
der Kettfäden.
Zuerst muß, gleichgültig ob ein Kelim
oder Knüpfteppich entstehen soll, ein Stück
Kelim gewebt werden: Schüsse müssen eingetragen
und festgeschlagen werden, um der ersten Knotenreihe
des entstehenden Knüpfteppichs Halt zu geben.
Die Knüpferin umschlingt jeweils zwei Kettfäden
entweder mit einer asymmetrischen oder einer symmetrischen
Masche (je nach Gebiet), genannt persischer bzw. türkischer
Knoten. Nach dem Fertigstellen einer Reihe von Knoten
werden zwei oder mehr Schüsse eingezogen. Die
Schussfäden werden zwischen den Kettfäden
durchgeschlängelt. Dann folgt die nächste
Reihe von Knoten. So wächst der Teppich langsam,
Reihe um Reihe, von unten nach oben. Die Gesamtheit
der verschiedenfarbigen Knoten bildet das Muster und
wird Flor genannt. Nach vollendeter Knüpfung
werden die Seitenränder verstärkt, um den
Teppich gegen die bevorstehenden Strapazen besser
zu schützen. In Manufakturen wird der Teppich
dann auf eine gleichmäßige Höhe geschoren
und anschließend gewaschen, gespannt, getrocknet
und weich geklopft. Neben den typischen Mustern erkennt
der Fachmann die Herkunft des Teppichs vor allem an
seinen knüpftechnischen Eigenheiten, die sich
von Gebiet zu Gebiet unterscheiden: die Anzahl und
Farben der Schüsse, die Höhe des Flors,
die Knotendichte, die Art der Seitenrandeinfassung
u.v.m. Doch auch der Laie kann erkennen, ob ein Teppich
von Nomaden geknüpft wurde, oder aber in einer
städtischen Manufaktur.
Feinheit
Feinheitsangaben mit über fünf Millionen
Knoten/ m2 klingen fast unglaublich, jedoch wird einem
bewußt, was die menschliche Hand zu knüpfen
vermag, wenn man auf einem Zentimeter 22 oder 23 Knoten
zählen kann. Solch hohe Knotendichten sind zwar
möglich, jedoch im allgemeinen nicht notwendig.
Grobe Teppiche werden mit einer Knotendichte von
100.000 bis 120.000 Knoten/m2 auskommen. Als mittelfein
wird eine Knotendichte von 120.000 bis 250.000 Knoten/m2
bezeichnet.
Fein schließlich ist alles, was mehr als 250.000
Knoten per Quadratmeter aufweist. Beim Wollteppich
ist man bei einer Million Knoten am Quadratmeter bereits
an der Grenze des Möglichen. Das feine Seidenmaterial
läßt sich indes so dicht verzwirnen, daß
Teppiche mit bis zu fünf Millionen Knoten/m2
geknüpft werden können.
Manufakturteppiche
Der Manufakturteppich ist in der Regel durch eine
gleichmäßigere Verarbeitung sowie kerzengerade
Ränder gekennzeichnet. Man erkennt ihn auch an
den blütenweißen Fransen (Baumwollkette).
Es werden alle Größen hergestellt. Geknüpft
wird an stehenden Knüpfstühlen und nach
Vorlagen, für die der Berufsstand der Musterzeichner
zuständig ist. Während der Manufakturteppich
für den Handel und den Export hergestellt wird,
dient der ländliche Teppich in erster Linie dem
eigenen Gebrauch.
Nomadenteppiche
Verwendet werden hier die zur Verfügung stehenden
Rohstoffe. Kette und Schuss sind deshalb aus Schafwolle
oder aus Ziegenhaar. Die meist geometrischen Muster
werden auswendig, ohne Vorlage geknüpft, weshalb
häufig Phantasie, Kreativität und sympathische
Unregelmäßigkeiten sichtbar werden. Selten
werden Nomadenteppiche über vier Quadratmeter
geknüpft. Es ist bei ländlichen, im Hausfleiß
erzeugten Teppichen auch einfach, den klimatischen
Ursprung festzustellen. Der Teppich aus den heißen
Wüstenregionen ist meist dünn, kleingemustert
und Ton in Ton, entsprechend der Landschaft und dem
Klima. In den höher gelegenen Regionen bevorzugt
man hingegen kräftige, expressionistische Farben,
großflächige Muster und einen hohen Flor,
der besser gegen den kalten Boden schützt.
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