Materialien
Wolle
Das wichtigste Material zur Herstellung eines Orientteppichs
ist die Schafwolle. Sie wird – abgesehen von
Seide und sehr selten Kamelhaar – stets für
den Flor verwendet, häufig auch für Kette
und Schuss. Doch Wolle ist nicht gleich Wolle.
Große Unterschiede in der Qualität und
im Erscheinungsbild ergeben sich aus der Schafrasse
und den klimatischen Verhältnissen, unter denen
das Tier aufwächst. So liefern etwa Hochlandschafe
aufgrund der Vegetation eine bessere Wolle als die
Schafe aus milden Klimazonen. Aber auch das Alter
der Tiere hat wesentlichen Einfluss auf die Qualität.
In jungen Jahren ist die Wolle besser, ausreichende
Widerstandskraft erhält sie jedoch erst nach
dem ersten Lebensjahr des Tieres. Die Schur erfolgt
meist im Frühjahr. Wie die Knüpftechnik,
ermöglicht auch die Wolle dem Fachmann Rückschlüsse
auf das Herkunftsgebiet eines Teppichs. Die fettreiche
Karakulwolle eines turkmenischen Tekke-Teppichs hat
einen völlig anderen „Griff“ als
zum Beispiel der westpersische Bidschar-Teppich.
Baumwolle
Sie wird in Manufakturen meist als Kettmaterial verwendet.
Die Baumwollstruktur macht den Teppich sehr steif,
er liegt wie ein Brett. Allerdings verschmutzt Baumwolle
auch leichter und kann mit hohem Alter - im Gegensatz
zu Schafwolle - brüchig werden. Restaurieren
ist dann schwierig.
Seide
Das aus dem Kokon der Seidenraupe gewonnene Material
wird manchmal als Kettmaterial verwendet (z. B. beim
Isfahan-Teppich), einige Teppicharten werden auch
gänzlich aus Seide hergestellt.
Seide ist zwar nicht so elastisch wie Schafwolle,
lässt sich aber dennoch strapazieren. Aufgrund
ihrer hohen Reißfestigkeit lässt sich Seide
dünner verspinnen, und infolgedessen können
Teppiche von sehr hoher Feinheit (Knotendichte) hergestellt
werden, was neben den höheren Kosten für
das Rohmaterial mit ein Grund für den höheren
Preis der meisten Seidenteppiche ist.
|