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ÖSTERREICHISCHE ORIENTTEPPICHFIBEL

Impressum
2. Auflage, Mai 2002
Bundesgremium des Handels mit Möbel,
Waren der Raumausstattung und
Tapeten (Einrichtungsfachhandel)
© Johannes Reinthaler

INHALTSVERZEICHNIS
 
Grundsätzliches
Geschichtlicher Abriss
Die Bezeichnungen
Erkennungsmerkmale
Die Herstellung
Materialien
Farben und Färben
Alter und Datierung
Worauf man achten sollte
Die Teppichpflege
Bewertungskriterien
Preisfestlegung
Wertfindung für alte und antike Teppiche
Händlerzertifikat
Gutachten
Informationsliste über Richtwerte
Standesregeln
 

Alter und Datierung

Für jede Teppichart und jede Periode liegen inzwischen ausreichende wissenschaftliche Arbeiten vor. Stammen Teppiche aus Ausgrabungen, so ist ohnehin eine exakte Datierung vorhanden. Vom 12. bis zum 18.-19. Jahrhundert existieren tausende von datierten Ölgemälden, auf denen Orientteppiche vorkommen. So bezieht der ,Lotto‘-Uschak beispielsweise seinen Namen vom italienischen Meister Lorenzo Lotto, der eine Reihe dieser Knüpfteppiche auf seinen Werken verewigte und so, wie viele andere Künstler, unbewußt bei der genauen Datierung von Teppichen mithalf. Wissenschaftliche Werke über Mustervergleiche aus der Miniatur- oder Buchmalerei, sowie aus der Keramik, sowie historische Tatsachen über das Aufkommen neuer Farben zu bestimmten Zeiten haben ebenfalls viel zur seriösen Datierung beigetragen.
Nicht zuletzt sind es Unmengen von Inventarlisten aus Klöstern, Schlössern, Museen, Herrscherhäusern und Privatbesitzen, welche Teppiche beinhalten und zumindest ein jeweiliges Mindestalter von den in den Listen angeführten Stücken belegen.
So ist es mittlerweile einfach geworden, für jede Art exakte Datierungskriterien zu finden. Verschiedene Meinungen stammen nur von Unwissenden und sind meist Ausreden: Wirkliche Fachleute kommen immer zur gleichen Aussage über das Alter und somit über den Wert.
Eine korrekte Altersangabe sollte bei Teppichen nach den internationalen Richtlinien erfolgen. Der Handel unterscheidet zwischen neu (1–25 Jahre), alt (25–50 Jahre), semiantik (über 50 Jahre) und antik (über 100 Jahre). Neuere, jedoch gebrauchte, circa dreißig Jahre alte Teppiche werden also als alt, siebzig-, achtzig-, neunzigjährige Teppiche folglich als semiantik bezeichnet.

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie auf einem Teppich die Jahreszahl 1312 entdecken. Dieses Exemplar stammt auf keinen Fall aus dem 14. Jahrhundert. 1312 bezieht sich auf die islamische Zeitrechnung und ist folgendermaßen in unsere Zeitrechnung zu übersetzen: Ziehen Sie von der vorhandenen Jahreszahl 3% ab, geben Sie zu dieser Zahl 622 dazu, dann erhalten Sie das christliche Datum.
Im Jahre 622 beginnt die islamische Zeitrechnung mit der Flucht Mohammeds nach Medina. Da 33 Mondjahre 32 Sonnenjahren unserer Zeitrechnung entsprechen, sind 3% in Abzug zu bringen.

 
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