Alter und Datierung
Für jede Teppichart und jede Periode liegen
inzwischen ausreichende wissenschaftliche Arbeiten
vor. Stammen Teppiche aus Ausgrabungen, so ist ohnehin
eine exakte Datierung vorhanden. Vom 12. bis zum 18.-19.
Jahrhundert existieren tausende von datierten Ölgemälden,
auf denen Orientteppiche vorkommen. So bezieht der
,Lotto‘-Uschak beispielsweise seinen Namen vom
italienischen Meister Lorenzo Lotto, der eine Reihe
dieser Knüpfteppiche auf seinen Werken verewigte
und so, wie viele andere Künstler, unbewußt
bei der genauen Datierung von Teppichen mithalf. Wissenschaftliche
Werke über Mustervergleiche aus der Miniatur-
oder Buchmalerei, sowie aus der Keramik, sowie historische
Tatsachen über das Aufkommen neuer Farben zu
bestimmten Zeiten haben ebenfalls viel zur seriösen
Datierung beigetragen.
Nicht zuletzt sind es Unmengen von Inventarlisten
aus Klöstern, Schlössern, Museen, Herrscherhäusern
und Privatbesitzen, welche Teppiche beinhalten und
zumindest ein jeweiliges Mindestalter von den in den
Listen angeführten Stücken belegen.
So ist es mittlerweile einfach geworden, für
jede Art exakte Datierungskriterien zu finden. Verschiedene
Meinungen stammen nur von Unwissenden und sind meist
Ausreden: Wirkliche Fachleute kommen immer zur gleichen
Aussage über das Alter und somit über den
Wert.
Eine korrekte Altersangabe sollte bei Teppichen nach
den internationalen Richtlinien erfolgen. Der Handel
unterscheidet zwischen neu (1–25 Jahre), alt
(25–50 Jahre), semiantik (über 50 Jahre)
und antik (über 100 Jahre). Neuere, jedoch gebrauchte,
circa dreißig Jahre alte Teppiche werden also
als alt, siebzig-, achtzig-, neunzigjährige Teppiche
folglich als semiantik bezeichnet.
Wundern Sie sich nicht, wenn Sie auf einem Teppich
die Jahreszahl 1312 entdecken. Dieses Exemplar stammt
auf keinen Fall aus dem 14. Jahrhundert. 1312 bezieht
sich auf die islamische Zeitrechnung und ist folgendermaßen
in unsere Zeitrechnung zu übersetzen: Ziehen
Sie von der vorhandenen Jahreszahl 3% ab, geben Sie
zu dieser Zahl 622 dazu, dann erhalten Sie das christliche
Datum.
Im Jahre 622 beginnt die islamische Zeitrechnung mit
der Flucht Mohammeds nach Medina. Da 33 Mondjahre
32 Sonnenjahren unserer Zeitrechnung entsprechen,
sind 3% in Abzug zu bringen.
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