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ÖSTERREICHISCHE ORIENTTEPPICHFIBEL

Impressum
2. Auflage, Mai 2002
Bundesgremium des Handels mit Möbel,
Waren der Raumausstattung und
Tapeten (Einrichtungsfachhandel)
© Johannes Reinthaler

INHALTSVERZEICHNIS
 
Grundsätzliches
Geschichtlicher Abriss
Die Bezeichnungen
Erkennungsmerkmale
Die Herstellung
Materialien
Farben und Färben
Alter und Datierung
Worauf man achten sollte
Die Teppichpflege
Bewertungskriterien
Preisfestlegung
Wertfindung für alte und antike Teppiche
Händlerzertifikat
Gutachten
Informationsliste über Richtwerte
Standesregeln
 

Wertfindung für alte und antike Teppiche

Zuerst muß geprüft werden, ob es sich um einen wirklich alten oder nur gebrauchten Teppich handelt. Ähnlich wie bei Möbeln sind eine gebrauchte Sitzgarnitur oder gebrauchte Stücke bei einer Verlassenschaft weniger wert als neue. Erst wirklich alte und antike Stücke erfahren deshalb eine deutliche Wertsteigerung, weil sie – siehe geschichtliche Einführung – aus der Zeit vor Einsetzen der Massenproduktion stammen. Beim Zeichnen einer Wertkurve beginnt man folglich beim Wert des neuen Teppichs und erlebt durch den Gebrauch einen gewissen Abfall in der Kurve. Ein dreißigjähriger, abgetretener Teppich ist wertlos. Handelt es sich jedoch um einen gut erhaltenen Teppich aus 1920 oder gar um ein antikes Spitzenstück von ca. 1860, so treten völlig andere Bewertungsund Preiskriterien in Kraft als beim neuen Teppich. Die Feinheit, die Herkunft und vor allem der Zustand spielen eine untergeordnete Rolle. Vielmehr stellt sich die Frage nach
1. dem künstlerischen Wert,
2. der Qualität innerhalb der Gruppe,
3. der Seltenheit als Symbiose von Muster und Motiventwicklung, Stammeskunde, also ethnologischen Bereichen und
4. Reinheit in Ausdruckskraft und Bildwirkung.

Wenn man sich Teppiche, ähnlich wie in der Kunst, qualitativ als Pyramide vorstellt, so gibt es eine sehr breite Basis und eine winzige Spitze. Daher ist es nicht verwunderlich, dass künstlerisch wertvolle Teppiche im internationalen Handel und bei Auktionen entsprechende Preise erzielen. Zwar gibt es kaum Teppiche, die ähnlich Bildern 1 oder 50 Millionen Euro erzielen, aber zwischen 20.000 und 200.000 Euro kostet ein Spitzenstück allemal.
Quadratmeterpreise gibt es keine. Sehr gute kaukasische Nomadenteppiche beispielsweise erzielten in jüngster Zeit 25.000 Euro, 50.000 und 80.000 US-Dollar, ein Mameluken-Teppich 130.000 Euro, und ein sehr guter (noch nicht zur Weltspitze zählender) anatolischer Kelim ist unter 25.000 Euro längst nicht mehr zu haben. Verständlicherweise können hier keine Richtwerte genannt werden, da man auf jedes Stück einzeln eingehen muß. Bei divergierenden Bewertungen solcher Stücke hat es sich oft gezeigt, dass der Wissens- und Informationsstand der Bewerter sehr unterschiedlich ist. Die wirklichen Fachleute auf diesem speziellen Sektor sind sich über Qualität und Wert meist ziemlich einig.

 
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