Wertfindung für alte und antike Teppiche
Zuerst muß geprüft werden, ob es sich
um einen wirklich alten oder nur gebrauchten Teppich
handelt. Ähnlich wie bei Möbeln sind eine
gebrauchte Sitzgarnitur oder gebrauchte Stücke
bei einer Verlassenschaft weniger wert als neue. Erst
wirklich alte und antike Stücke erfahren deshalb
eine deutliche Wertsteigerung, weil sie – siehe
geschichtliche Einführung – aus der Zeit
vor Einsetzen der Massenproduktion stammen. Beim Zeichnen
einer Wertkurve beginnt man folglich beim Wert des
neuen Teppichs und erlebt durch den Gebrauch einen
gewissen Abfall in der Kurve. Ein dreißigjähriger,
abgetretener Teppich ist wertlos. Handelt es sich
jedoch um einen gut erhaltenen Teppich aus 1920 oder
gar um ein antikes Spitzenstück von ca. 1860,
so treten völlig andere Bewertungsund Preiskriterien
in Kraft als beim neuen Teppich. Die Feinheit, die
Herkunft und vor allem der Zustand spielen eine untergeordnete
Rolle. Vielmehr stellt sich die Frage nach
1. dem künstlerischen Wert,
2. der Qualität innerhalb der Gruppe,
3. der Seltenheit als Symbiose von Muster und Motiventwicklung,
Stammeskunde, also ethnologischen Bereichen und
4. Reinheit in Ausdruckskraft und Bildwirkung.
Wenn man sich Teppiche, ähnlich wie in der
Kunst, qualitativ als Pyramide vorstellt, so gibt
es eine sehr breite Basis und eine winzige Spitze.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass künstlerisch
wertvolle Teppiche im internationalen Handel und bei
Auktionen entsprechende Preise erzielen. Zwar gibt
es kaum Teppiche, die ähnlich Bildern 1 oder
50 Millionen Euro erzielen, aber zwischen 20.000 und
200.000 Euro kostet ein Spitzenstück allemal.
Quadratmeterpreise gibt es keine. Sehr gute kaukasische
Nomadenteppiche beispielsweise erzielten in jüngster
Zeit 25.000 Euro, 50.000 und 80.000 US-Dollar, ein
Mameluken-Teppich 130.000 Euro, und ein sehr guter
(noch nicht zur Weltspitze zählender) anatolischer
Kelim ist unter 25.000 Euro längst nicht mehr
zu haben. Verständlicherweise können hier
keine Richtwerte genannt werden, da man auf jedes
Stück einzeln eingehen muß. Bei divergierenden
Bewertungen solcher Stücke hat es sich oft gezeigt,
dass der Wissens- und Informationsstand der Bewerter
sehr unterschiedlich ist. Die wirklichen Fachleute
auf diesem speziellen Sektor sind sich über Qualität
und Wert meist ziemlich einig.
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